Die Nacht war warm und ruhig. Nur das Ticken der Uhr und das seltene Knarren des Fußbodens durchbrachen die schläfrige Stille der Wohnung.
Anna, eine junge Mutter, schlief unruhig – seit der Geburt ihres Sohnes schien ihr Gehirn nicht mehr richtig abschalten zu können. Sie nahm jede Bewegung und jeden Atemzug des Kleinen wahr, als hätte sie einen eingebauten Radar.
Gegen zwei Uhr morgens wachte sie durch ein seltsames Geräusch auf.
Zuerst dachte sie, es sei nur der Wind. Aber dann – ein deutliches, leises Klopfen.
Nicht laut, nicht beängstigend – kindlich.
Sie richtete sich auf. Zuerst verstand sie nicht, woher das Geräusch kam. Dann sank ihr das Herz: Es war ein Klopfen an der Schlafzimmertür.
Langsam, ohne zu atmen, setzte sich Anna auf das Bett. Auf dem Boden vor der Tür war ein Schatten zu sehen – winzig, unregelmäßig, wie von einem Menschen, der etwas über einen Meter groß war.
Sie schaltete das Nachtlicht ein – und sah ihren Sohn.
Der Kleine stand auf Zehenspitzen, klopfte mit der Faust an die Tür und hielt in der anderen Hand einen Plüschbären. Pyjama mit Sternchen, zerzaustes Haar, verschlafene Augen.
„Mama … mach auf“, flüsterte er.
Anna stand auf, öffnete die Tür und hockte sich zu ihm.
„Kleiner, was ist los?“
„Er… da“, nickte der Junge in Richtung des dunklen Endes des Flurs.
Anna drehte sich um. Der Flur war leer. Nur die Lampe in der Küche brannte schwach und warf lange Schatten auf den Boden.
„Wer ist ‚er‘?“, fragte sie und spürte, wie ihr ein Schauer über den Rücken lief.

Der Junge schwieg, dann flüsterte er:
„Der kleine Bär hat gesagt, dass jemand hereingekommen ist.“
Als sie jedoch ihren Sohn auf den Arm nahm und sich zum Zimmer umdrehte, drückte er sich plötzlich an ihre Schulter.
„Mama, nicht dorthin! Er ist dort!“
Im selben Moment knarrte etwas hinter ihnen. Es war ein lang anhaltendes Geräusch, als würde jemand langsam mit den Fingernägeln über die Wand kratzen.
Anna drehte sich um und sah … die offene Eingangstür.
Der Wind bewegte die Vorhänge, aber auf der Schwelle waren keine Spuren zu sehen. Nur der Schatten einer schwankenden Straßenlaterne.
Sie eilte hin, schloss die Tür ab und zog die Kette vor. Ihr Herz pochte in ihren Schläfen.
„Mama“, sagte der Kleine erneut und schaute zur Tür. „Er ist weg. Der Bär hat gesagt, dass jetzt alles gut ist.“
Anna stand da, umarmte ihren Sohn und lauschte, wie die Stille wieder das Haus erfüllte.
Sie wusste nicht, wie sie das Geschehene erklären sollte – Traum, Zufall oder etwas anderes. Aber seit dieser Nacht ließ sie die Schlafzimmertür nie mehr offen.
Und das Seltsamste war, dass am Morgen, als sie die Eingangstür überprüfte, ein kleiner Kinderhandschuh auf dem Boden lag. Nicht ihrer.
