An diesem Tag war der Bus so voll, dass die Leute sich gegenseitig stützen mussten, um nicht bei jeder Kurve umzufallen. Es herrschte ein leises Gemurmel im Inneren – manche stritten, manche starrten auf ihr Handy, andere ertrugen einfach die Enge.
An einer Haltestelle stieg eine ältere Frau mit einem Gehstock in den Bus. Sie bewegte sich sehr vorsichtig, als würde jeder Schritt ihr schwerfallen. Die Leute machten etwas Platz, aber es waren fast keine freien Plätze mehr. Und plötzlich bemerkte sie einen – direkt neben einem jungen Mann.
Der junge Mann saß mit weit auseinander gespreizten Beinen da, und auf dem neben ihm befindlichen Sitz lag sein Rucksack. Außerdem hatte er ein Bein so ausgestreckt, dass es fast den gesamten Gang blockierte. Er wirkte selbstgefällig, als ob dieser Bus nur ihm gehörte.
Die alte Dame trat näher und sagte leise, fast flüsternd:
— Entschuldigen Sie, könnten Sie bitte die Tasche wegnehmen? Ich möchte mich setzen.
Der Junge drehte sich nicht einmal um. Er tat so, als ob er nichts gehört hätte.
Die Frau stand einen Moment lang da, dann streckte sie vorsichtig die Hand aus, um einfach den Platz freizumachen. In diesem Moment zuckte der junge Mann plötzlich zusammen, als wäre er geschlagen worden, sprang auf und rief:
— Was machst du da?! Wer hat dir erlaubt, meine Sachen zu berühren?! Ich rufe jetzt die Polizei!
— Ich wollte mich nur setzen… — antwortete die Frau verwirrt. — Es ist doch frei, ich habe zuerst gefragt…
Der Junge grinste, sah von oben herab auf sie und sagte kalt:
— Dieser Platz ist besetzt.
— Und wer hat ihn besetzt? — fragte sie leise.
Er dachte keinen Moment nach und antwortete mit einem frechen Lächeln:
— Mein Fuß.
Nach diesen Worten legte er sein schweres Bein demonstrativ auf den Sitz und fügte hinzu:
Im Bus herrschte eine unangenehme Stille. Manche senkten den Blick, andere pressten die Lippen zusammen, aber niemand mischte sich ein.
Der freche Junge hätte sich nie vorstellen können, was ihm in den nächsten Sekunden passieren würde. 😨😥
Und genau in diesem Moment ertönte eine Stimme aus der Menge.
— Hey, du, Dicker! — sagte das Mädchen, das am Fenster stand. — Hörst du eigentlich, was du da von dir gibst?
Alle drehten sich zu ihr. Sie sah den Jungen ohne Angst oder Zweifel an.
— Diese Frau ist die Einzige, die überhaupt neben dir sitzen wollen würde, und das nur, weil es ihr schwerfällt zu stehen. Und du benimmst dich, als ob dir hier jeder etwas schuldet.
Der Junge verzog das Gesicht, konnte aber nichts erwidern. Das Mädchen fuhr fort:
Im Bus hörte man ein leises Kichern. Dann lachten immer mehr Leute, bis das Lachen die Runde machte.
— Wenn es dir so unangenehm ist, — fügte das Mädchen hinzu, — steh auf. Lass die Oma alleine sitzen.
Der Junge errötete, versuchte etwas zu sagen, aber die Worte blieben ihm im Hals stecken. Die Leute redeten jetzt nicht mehr schweigend.
— Sie hat recht!
— Du hast echt kein Gewissen!
— Raus aus dem Bus!
Der Fahrer hielt den Bus an und öffnete die Türen.
Die Türen schlossen sich. Der Bus setzte sich wieder in Bewegung.
Das besagte Mädchen nahm vorsichtig den Rucksack, stellte ihn beiseite und half der älteren Dame, sich hinzusetzen.
— Vielen Dank… — sagte die Frau leise, immer noch nicht fassend, was gerade passiert war.
— Sie haben mir zu danken, — antwortete das Mädchen mit einem leichten Lächeln. — Für Ihre Geduld.
In diesem Moment war die Atmosphäre im Bus irgendwie anders. Die Leute fingen wieder an zu reden, aber nicht mehr gleichgültig. Einige gaben ihren Platz einem anderen, einige lächelten einfach.
