Am Morgen hatte sie es eilig zur Arbeit zu kommen: Sie bügelte schnell ihr weißes Hemd, versuchte Kaffee zu trinken und gleichzeitig ihren zweiten Ohrring zu finden.
Aber alles kam zum Stillstand, als ihr Blick auf eine kleine Gruppe durchsichtiger Kügelchen in der Nähe des Knopfes fiel.
„Was ist das denn?“, murmelte sie und beugte sich vor.
Die Kugeln waren perfekt rund, fest und hatten einen leichten Graustich. Einige hatten einen dunklen Fleck im Inneren. Eine bewegte sich sogar leicht. Das Hemd fiel ihr sofort aus den Händen. Es waren Eier. Ein Gelege. Und kein kleines. Ihr Herz sank ihr in die Hose. Sie legte das Hemd auf den Tisch, schaltete die Taschenlampe ein und betrachtete ihren Fund: etwa 15 Kugeln, dicht beieinander, mit winzigen dunklen Punkten im Inneren, von einer durchsichtigen Hülle umgeben, als wären sie gerade erst gelegt worden. Sofort begann ihre Fantasie zu arbeiten: „Was, wenn derjenige, der sie gelegt hat, noch hier ist?“
Sie überprüfte den Schrank – und hörte ein Rascheln. Der Schrank schien normal zu sein: Hemden, Pullover, ordentlich gefaltete Handtücher.
Aber als sie den Stapel Pullover beiseite schob, hörte sie von unten ein leises … sch-sch-sch … Sie bekam eine Gänsehaut am ganzen Rücken. Sie erstarrte und hielt den Atem an. Dann schob sie langsam, ganz langsam, den Rand der Schachtel beiseite. Da kam ein kleines graues Wesen herausgerannt – und sie hätte beinahe geschrien.
Es war eine Jagdspinne. Groß, schnell, flach – genau die Art, die keine Netze spinnt, sondern ihre Eier in warmen, versteckten Orten ablegt. Und dann sucht sie sich den nächsten Unterschlupf … zum Beispiel einen Schrank. Und obwohl die Spinne nicht giftig war, machten ihre Größe und Schnelligkeit sie beängstigend. Die Spinne huschte unter das untere Regal. Sie wich zurück.

Aber es kam noch schlimmer Sie beschloss, den Schrank komplett auszuräumen – sonst würde sie nicht einschlafen können. Und bald fand sie ein weiteres Gelege, das bereits leer war. Das bedeutete, dass ein Teil der Babys bereits geschlüpft war. Ihr Herz schlug noch schneller. Der Schrank musste komplett ausgeräumt werden: Alle Sachen mussten bei 60 °C gewaschen werden, die Schuhe mussten ausgeschüttelt und die Kartons überprüft werden. Erst am Abend gelangte sie zu der Ecke, in die sich die Spinne verkrochen hatte.
Sie saß dort regungslos, als hätte sie verstanden, dass sie gefunden worden war. Sie drückte sie nicht, sondern brachte sie in einem Glas nach draußen. Spinnen sind nützliche Jäger, aber sie gehören nicht in einen Schrank. Dann machte sie zum ersten Mal eine Generalreinigung „nach den Regeln der Fachleute“. Am Abend ging sie mit dem Staubsauger und dann mit Seifenlösung durch jede Ecke der Wohnung. Sie reinigte die Lüftung. Sie überprüfte das Bett. Sie überprüfte alle Ecken des Schranks noch einmal. Dreimal. Und erst als alles perfekt sauber war, atmete sie auf.
Am Morgen erwartete sie eine Überraschung. Sie kehrte zu dem Hemd zurück, das sie ruiniert hatte. Nach einer heißen Wäsche waren die Flecken verschwunden. Aber sie konnte den Tag nicht in diesem Kleidungsstück beginnen – die Erinnerungen waren noch zu frisch. Und als sie den Schrank öffnete, um etwas anderes auszuwählen, bemerkte sie ein kleines Detail: Auf dem obersten Regal lag ein schwarzes Haargummi. Nur hatte sie so etwas noch nie getragen. Und da wurde ihr das Wichtigste klar:
Diese Spinne war nicht die einzige, die sich in ihrem Schrank niedergelassen hatte.
