Der Morgen begann wie immer: Ich ging auf mein Grundstück, um die Blumenbeete zu gießen und mich zu vergewissern, dass die örtlichen Katzen nicht wieder Unordnung gemacht hatten. Aber kaum hatte ich das Tor geöffnet, schlug mir ein schwerer, widerlicher Geruch in die Nase. Er war so dicht, als wäre die Luft klebrig geworden.
Ich machte einen Schritt, dann einen zweiten … und erstarrte, als wäre ich mit den Füßen am Boden festgewachsen. Am Beet lag etwas und zitterte kaum merklich.
Vor meinen Augen lag eine seltsame Masse, rötlich-rosa, glänzend, als wäre sie mit einem feuchten Film überzogen. Von ihr ging ein widerlicher Geruch aus, der an Verwesung erinnerte. Ich wich zurück: Mein Herz schlug mir bis zum Hals, meine Handflächen wurden schweißnass und meine Gedanken waren durcheinander.
„Was ist das für ein Ekel? Irgendein Wurm? Ein Tierkadaver? Oder … was auch immer das sein mag?!“
Mit zitternden Händen holte ich mein Handy heraus, fotografierte den Fund und begann sofort zu googeln. Ich gab in die Suchmaschine ein:
„rot, schleimig, stinkt nach Aas“.

Und da überkam mich ein Schauer. Der allererste Link lautete: „Anturus archerii – Teufelsfinger. Einer der furchterregendsten Pilze der Welt“.
Es stellte sich heraus, dass dieses gruselige Ding gar kein Wesen aus einem Science-Fiction-Film und auch kein Stück fremdes Fleisch war, sondern ein Pilz, der früher nur in Australien wuchs und sich jetzt auch bei uns sehr wohlfühlt.
Zuerst erscheint er als dichtes weißes „Ei“. Dann platzt er auf und es kommen rote Auswüchse zum Vorschein, die wie Krallen, Pfoten oder dämonische Finger aussehen.

Menschen, die ihn zum ersten Mal sehen, denken oft, dass sie auf die Überreste eines Außerirdischen oder Spuren eines Todesfalls gestoßen sind. Einige rufen sogar den Notdienst an, weil sie überzeugt sind, einen Kriminalfall entdeckt zu haben. Aber es handelt sich lediglich um einen Vertreter der Pilzwelt. Sehr exotisch, unheimlich, aber absolut natürlich.
Seitdem mache ich einen Bogen um dieses Beet. Ich wage es nicht mehr, dort zu gießen. Soll es doch stehen bleiben. Mit der Natur, insbesondere mit einer solchen, sollte man besser nicht streiten.
