Fischer zogen aus dem Meer einen riesigen, seltsamen Fisch – und als sie ihn genauer betrachteten, wünschten sie, sie hätten es niemals getan!

Früher Morgen an der Küste Montenegros. Das Meer ruhig, der Himmel klar, die Sonne steigt gerade über den Horizont. Drei Fischer — Miloš, Arsen und Luka — fahren mit ihrem alten Holzboot hinaus, wie an jedem Tag.

Das Meer ernährt sie. Und das Meer flößt ihnen Respekt ein. Die Alten im Dorf sagten immer: „Unter den Wellen leben jene, die man besser nicht weckt.“

Doch an diesem Morgen war der Fang von Anfang an ungewöhnlich. Das Netz, tief ins Wasser gelassen, spannte sich plötzlich so stark, als hätte sich ein Felsen darin verhakt. Das Boot neigte sich, die Seile knarrten, das Wasser schäumte in Blasen auf.

„Zieh, Luka!“, rief Miloš, stemmte sich mit den Füßen. Und als das Netz aus dem Wasser auftauchte, verstummten alle drei.

Etwas Riesiges zappelte darin. Ein Fisch – doch keiner, den sie je zuvor gesehen hatten.

Die Haut silbrig-grau, fast wie aus Metall. Die Augen — zu groß, fast menschlich, glänzend wie Glas. Und entlang des Körpers kleine, stachelartige Wucherungen, die wie fremde Panzerplatten wirkten.

Das Wesen bewegte sich kaum — doch es sah sie an. Nicht wie ein Tier. Sondern wie jemand, der versteht.

„Das ist… ein Seeteufel?“ flüsterte Luka. „Oder ein Mutant“, brummte Arsen. „Nach all diesen Abfällen im Wasser wundert mich gar nichts mehr.“

Sie wollten das Tier ins Boot ziehen. Doch kaum rührte Miloš mit der Bootshaken am Netz, schnellte der Fisch plötzlich nach oben. So heftig, dass das Boot beinahe kenterte. Wasser spritzte ihnen ins Gesicht.

Und dann — ertönte ein Laut. Dumpf, kehlig, schmerzlich. Wie ein Stöhnen.

Die Männer wichen zurück. Das Meer wurde wieder still. Nur die kleinen Wellen klopften an den Rumpf.

Der Fisch lag bewegungslos im Netz. Seine Augen jedoch — blickten. Fragend. Bittend.

Mit zitternden Händen nahm Miloš sein Messer. „Wir tun dir nichts“, murmelte er — ohne zu verstehen, warum er das sagte.

Er schnitt das Netz auf. Und der riesige Körper glitt langsam zurück ins Wasser. Sie sahen zu, wie er in die Tiefe sank, nur eine dünne Spur silbriger Schaumbläschen blieb zurück.

Als sie in den Hafen zurückkehrten, war das Meer bereits golden vom Sonnenaufgang. Keiner sprach. Luka war der erste:

„Habt ihr gesehen? An der Seite… diese Zeichen. Wie Buchstaben.“

Miloš runzelte die Stirn. „Buchstaben?“ „Ja. Lateinische. Ganz klar.“

Er stritt nicht. Aber am Abend, als er das Foto öffnete, das er auf dem Boot gemacht hatte, erstarrte er.

Auf der Haut des Fisches waren tatsächlich Buchstaben zu sehen. Deutlich. Eingebrannt. Wie ein Brandmal. Nur… die Worte waren in keiner Sprache, die ein Mensch kennen sollte.

Und seit jener Nacht fährt Miloš bei Sonnenaufgang nicht mehr hinaus.

Er sagt nur: „Manche Dinge wollen nicht ans Licht geholt werden.“

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