Ihre Großmutter schenkte ihr eine Halskette und sagte: „Nimm diese niemals ab.“ Sie hörte nicht auf sie …

Sophie liebte die Geschichten, die ihre Großmutter ihr erzählte. Einige handelten von der Familiengeschichte, andere von alten Traditionen, und wieder andere klangen eher wie Warnungen, die als Märchen getarnt waren. An Sophies 18. Geburtstag überreichte ihr ihre Großmutter eine kleine Samtschachtel. Darin lag eine zarte Silberkette mit einem seltsamen, filigranen Anhänger.

„Es ist seit Generationen in unserer Familie“, sagte ihre Großmutter mit ungewöhnlich fester Stimme. „Versprich mir, dass du es tragen wirst und es niemals – egal was passiert – abnimmst.“

Sophie lachte leise und dachte, es sei nur eine weitere Aberglaubensvorstellung ihrer Großmutter. Dennoch willigte sie ein. Die Halskette war wunderschön, und sie trug sie jeden Tag. Wochenlang schien alles normal zu sein. Tatsächlich fühlte sie sich, wann immer sie ihn trug, seltsam geborgen, als wäre eine warme Präsenz immer bei ihr.

Aber Sophie war jung, und Regeln machten sie neugierig. Eines Abends, bevor sie zu einer Party ging, entschied sie, dass der Halsschmuck nicht zu ihrem Outfit passte. Mit einem Achselzucken öffnete sie den Verschluss und legte ihn auf ihre Kommode.

Da begannen sich die Dinge zu ändern.

Zunächst war es nur subtil – das Haus schien kälter zu sein, die Schatten waren länger als sonst, und Sophie wurde das Gefühl nicht los, beobachtet zu werden. Dann kamen die Flüstern. Zunächst leise und fern, wie Stimmen, die der Wind herantrug, wurden sie jede Nacht lauter.

Am dritten Tag wachte Sophie auf und stellte fest, dass die Halskette nicht mehr auf ihrer Kommode lag, sondern ordentlich auf ihrem Kopfkissen, als hätte jemand sie während ihres Schlafes dorthin gelegt. Erschrocken schob sie sie in eine Schublade und schlug diese zu.

In dieser Nacht wachte sie durch Kratzgeräusche an ihrer Tür auf. Als sie sie schließlich mit klopfendem Herzen öffnete, war der Flur leer – bis auf die Halskette, die auf dem Boden lag, als wäre sie von selbst dorthin gekrochen.

Verzweifelt rief Sophie ihre Großmutter an, ihre Stimme zitterte. Ihre Großmutter sagte nur: „Du hast das Versprechen gebrochen. Leg sie wieder an, bevor es zu spät ist.“

Mit zitternden Händen legte Sophie die Halskette wieder um ihren Hals. Sofort verschwand die Kälte, das Flüstern hörte auf und das Haus fühlte sich wieder normal an. Aber als sie in den Spiegel schaute, hätte sie schwören können, dass sich die Schnitzereien des Anhängers verändert hatten und sich zu Formen verdrehten, die vorher nicht da gewesen waren.

Sophie wagte es nie wieder, die Kette abzunehmen. Und tief in ihrem Inneren konnte sie den Gedanken nicht loswerden, dass die Kette sie nicht nur beschützt hatte … sondern auch etwas anderes ferngehalten hatte.

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