An diesem Wochenende waren wir zu viert: ich, Daniel, Sarah und Chris. Wir waren seit dem College befreundet und versuchten jedes Jahr, mindestens ein gemeinsames Abenteuer zu planen. Dieses Mal schlug Chris vor, in einem Wald zu campen, über den er online gelesen hatte – abgelegen, unberührt und bei den Einheimischen als der dunkelste Wald bekannt, weil dort nur wenig Mondlicht den Boden erreichte.
Zunächst machte es Spaß. Wir bauten unsere Zelte auf, entfachten ein Feuer und scherzten darüber, wie unheimlich es sich anfühlte, so isoliert zu sein. Sarah neckte uns, dass es wie der Anfang eines Horrorfilms sei, und wir lachten alle etwas zu laut, um unsere Nervosität zu verbergen. Die Luft war frisch, das Feuer warm, und für eine Weile fühlte es sich wie die perfekte Flucht aus dem Alltag an.
Aber als die Nacht hereinbrach, änderte sich die Stimmung. Der Wald schien den Klang unserer Stimmen zu verschlucken. Keine Grillen, keine Eulen, kein Wind in den Ästen. Nur Stille. Es war die Art von Stille, die auf die Ohren drückt, bis man anfängt, Geräusche zu hören, die gar nicht da sind.
Später, als das Feuer fast erloschen war und wir uns in unsere Zelte zurückgezogen hatten, wurde ich durch knirschende Schritte draußen geweckt. Langsam. Schwer. Zuerst dachte ich, es sei Chris, der mehr Feuerholz holen wollte, aber dann hörte ich ihn aus seinem Zelt flüstern: „Wer ist da draußen?“
Die Schritte verstummten. Einen Moment lang war nichts zu hören. Dann schrie Sarah. Wir krabbelten alle aus unseren Zelten und leuchteten mit Taschenlampen durch die Dunkelheit. Sarah zeigte auf die Bäume, ihr Gesicht war blass.
Die Lichtstrahlen fingen etwas zwischen den Stämmen ein – eine Gestalt. Groß, viel größer als jeder Mensch, mit breiten Schultern und Augen, die leuchteten, wenn das Licht sie berührte. Es bewegte sich nicht. Es stand einfach da und beobachtete uns.
Wir erstarrten und konnten nicht atmen. Dann rief Chris uns zu, wir sollten rennen. Wir nahmen nichts mit, ließen die Zelte und die Feuerstelle zurück. Wir vier sprinteten durch den Wald, Äste schlugen uns ins Gesicht, bis wir auf die unbefestigte Straße stießen, wo wir das Auto zurückgelassen hatten. Erst als wir die Türen zuschlugen und davonbrausten, wagten wir einen Blick zurück.
Der Wald stand still da, dunkel wie immer, aber etwas in meinem Innersten sagte mir, dass wir nicht entkommen waren.
Am nächsten Morgen kehrten wir mit einem Ranger zurück, um unsere Sachen zu holen. Aber der Campingplatz war verschwunden. Keine Zelte, keine Feuerstelle, nicht einmal Fußspuren. Es war, als wären wir nie dort gewesen.
Und Sarah schwört, dass sie es kurz bevor wir rannten gesehen hat – die Gestalt hat uns nicht verfolgt. Sie hat gewunken.

